Pädagogisches Konzept Krippe

Die Grundlage unseres Krippenkonzeptes ist die Konzeption des Evangelischen Kindergartens Abenteuerland. Der Evangelische Kindergarten Abenteuerland besteht seit Oktober 1989 und wurde im Oktober 2011 durch eine Krippengruppe zum Evangelischen Kinderhaus Abenteuerland erweitert. In diesem Teil der Konzeption wird ausführlich auf die Ziele in der Betreuung unserer Kleinsten eingegangen.

Bindung (Eingewöhnungsphase)

Bindung ist die Grundlage jeglichen Lernens. Ohne Bindung ist keine Bildung möglich.

Eine sichere Bindung zwischen Erzieherin und Kind wird durch eine erfolgreiche Eingewöhnungszeit aufgebaut. Erst wenn es zwischen Kind und Bezugserzieherin eine vertrauensvolle Beziehung gibt, beginnt das Kind, seine Umgebung, d. h. Raum und Material, zu entdecken.

Jedes Kind ist einzigartig und so verläuft auch die Eingewöhnung bei den jeweiligen Kindern unterschiedlich.

Die Eingewöhnung benötigt ein sensibles Beobachten des Kindes, sowohl von uns, den Bezugspersonen, als auch von den Eltern.
Wir sind die pädagogischen Fachkräfte und die Eltern sind die Experten ihres Kindes.

Wir orientieren uns bei der Eingewöhnung am Berliner Eingewöhnungsmodell, welches sich bereits in vielen Einrichtungen bewährt hat.
Dabei sind die Zeitangaben für uns eine Mindestforderung, da es wichtig ist, dem Kind so viel Zeit zu geben, wie es benötigt.

Die Eingewöhnung ist eine sehr intensive und gefühlsstarke Zeit zwischen Eltern, Kind und pädagogischen Fachkräften, eine gegenseitige Kennenlernphase.
Wir sind offen für Hospitationen während des Jahres, damit die Eltern unsere Arbeit erleben und kennen lernen können.

Sensible Phasen

Die sensiblen Phasen beziehen sich auf bestimmte Lebensabschnitte des Kindes, in welchen es für spezielle Tätigkeiten besonders empfänglich ist.

Kreativität

Kleine Kinder hinterlassen gerne Spuren.
Wir möchten diesen kreativen Forscherdrang der Kinder unterstützen und ihnen abwechslungsreiche Materialien anbieten, um alle Sinne der Kinder anzusprechen.

Sprache

Wir müssen den Kindern die Sprache nicht beibringen!
Das Kind kommt selbst zur Sprache, wenn es Gelegenheit hat, Sprache zu hören und anzuwenden.

Wir bieten vielfältige Angebote, die in den Alltag integriert sind wie das Singen von Liedern, das Anschauen von Bilderbüchern, das Wiederholen von Reimen und Fingerspielen.

Der Erwachsene ist Vorbild. Aus diesem Grund korrigieren wir nicht, sondern wiederholen nur Ein-Wort-Sätze in vollständigen Sätzen wie z. B. „Auto“- „Das ist ein Auto“.

Bewegung

In den ersten Lebensjahren werden grundlegende Bewegungsfertigkeiten ausgebildet, zeitgleich nimmt die Körperwahrnehmung zu. Wir achten das individuelle Tempo eines jeden Kindes. Ein Kind, welches noch nicht selbständig laufen kann, führen wir nicht an zwei Händen, da es den Entwicklungsschritt des Laufens noch nicht erreicht hat.

In der Krippe wollen wir die motorischen Bewegungen anregen und die körperliche Entwicklung der Kinder stärken.

Im Garten und in der Natur haben die Kinder viel Bewegungsfreiheit und frische Luft, was ihr Immunsystem stärkt und sie in den Räumen ausgeglichener sein lässt.

Kinder, die noch viel stolpern, möchten wir in ihre körperliche Achtsamkeit bringen. So begleiten wir das Kind sprachlich z. B. beim Klettern, Spielen, Laufen, damit es zurück in seine körperliche Wahrnehmung findet und sich spürt.
Sätze, wie „Spüre deine Hände/Füße“ lenken die Aufmerksamkeit vom Kopf zu den Füßen. Diese nimmt das Kind dann bewusster war.

Vorbereitete Umgebung

Der Raum und das Material werden schön und interessant gestaltet, damit die Kinder neugierig werden und ihren Alltag, soweit wie möglich, selbständig gestalten können. Die Kinder schenken sich mit der Karaffe Wasser ins Glas, ziehen sich ihre Lätzchen über den Kopf u. v. m.

Das Angebot passt sich dabei der Entwicklung der Kinder an. Wir beobachten, welche die Vorlieben der Kinder sind, worin sie sich gerade „üben“ und stellen dem entsprechendes Material zur Verfügung.

Jedes Ding hat seinen Platz, welcher mit Fotos gekennzeichnet ist. Somit können die Kinder das Material wieder seinem Platz zuordnen.

Wir teilen die Auffassung Maria Montessoris, dass die äußere Ordnung zur inneren Ordnung führt. Ordnung gibt dem Kind Sicherheit und Halt.

Beobachtung

Die Basis jeglicher pädagogischer Arbeit ist die Beobachtung.
Bei Kleinkindern verlaufen die Entwicklungsschritte extrem schnell.

Eine achtsame Beobachtung ist wichtig,

um die sensiblen Phasen des Kindes zu erfassen und ihm dem entsprechende Materialien anzubieten wie z. B. Schraubverschlüsse, Bürsten, Karte
um die zarten Signale wahrzunehmen und die Bedürfnisse des Kindes zu verstehen wie Hunger, Müdigkeit, Bedürfnis nach Trost…
um im Entwicklungsverlauf feinfühlig zu erkennen, inwieweit es noch Zeit oder mehr Unterstützung benötigt.

Zur Dokumentation unserer Beobachtungen erstellen wir für jedes Kind einen Portfolio-Ordner.
Nach der Eingewöhnungszeit laden wir die Eltern zu einem Entwicklungsgespräch ein.

„Hilf mir, es selbst zu tun“

Kinder haben den Drang nach Selbstwirksamkeit und Dinge selbst zu tun.
Entwicklung erfolgt ohne unser Zutun.
Nach dem Prinzip „Hilf mir, es selbst zu tun“ von Maria Montessori möchten wir dem Drang der Kinder nach Selbstwirksamkeit nachkommen und ihre Selbständigkeit fördern, unter anderem durch das Mitgestalten des Alltags durch die Kinder.

Die pädagogischen Erkenntnisse von Maria Montessori beeinflussten auch Emmi Pikler.

Pflege nach Emmi Pikler

Emmi Pikler war eine ungarische Kinderärztin, die viele Jahrzehnte als Leiterin eines Waisenhauses wertvolle Beobachtungen gemacht hat, von denen wir in der Krippenpädagogik profitieren.


Das Anziehen bedeutet für ein Kleinkind harte Arbeit und erfordert viel Konzentration.
Durch das handlungsbeschreibende Sprechen der Erzieherin wird die Wahrnehmung des Kindes auf die nächsten Schritte seines Tuns gelenkt, folglich ist es konzentrierter in seiner Körperwahrnehmung.

Um zur Selbständigkeit zu gelangen, gibt es viele Gelegenheiten des Lernens im Alltag, z. B. beim Händewaschen, An- und Ausziehen, Aufräumen von Gegenständen oder Kleidungsstücken, Tischdecken, beim selbständigen Essen und vielem mehr.

Konflikte lösen

Bei Konflikten zwischen den Kindern greifen wir nicht sofort ein, sondern beobachten und begleiten sie. Gemeinsam mit den Kindern suchen wir nach Lösungen.
Wir beobachten feinfühlig, welche Signale die Kinder setzen, wo ihre Grenzen liegen und was sie zum Ausdruck bringen wollen.
So kann das Wegnehmen eines Gegenstandes beispielsweise „spiele mit mir“ bedeuten.

Hierbei ist uns ein wertschätzender und achtsamer Umgang miteinander besonders wichtig.

Emmi Pikler:

„Wesentlich ist, dass das Kind möglichst viele Dinge selbst entdeckt. Wenn wir ihm bei der Lösung aller Aufgaben behilflich sind, berauben wir es gerade dessen, was für seine geistige Entwicklung das Wichtigste ist. Ein Kind, das durch selbständige Experimente etwas erreicht, erwirbt ein ganz andersartiges Wissen als eines, dem die Lösung fertig geboten wird.“